Kritiken

 
 

Oslobodenje, Sarajevo (Mai 2016)

Der 16-jährige Mendelssohn

Die Künstler demonstrierten eine große Fertigkeit an kontrolliertem Klang, Dynamik sowie an Effekten. Ihre Vollkommenheit zeigte sich in der gewünschten akustischen Atmosphäre.

Der Konzerthöhepunkt wurde vom achtköpfigen Kammermusikensemble durch die Interpretation des Streichoktetts Op. 20 in E-Dur von Felix Mendelssohn-Bartholdy, einem höchst herausfordernden Werk, in sehr brillanter Weise erreicht. Die Mitglieder des Ensembles sind: Jevgenijs Cepoveckis (Violine), Nefelina Musaelyan (Violine), Andrii Uhrak (Violine), Alona Pynzenyk (Violine), Martyna Faferek (Viola), Jorge Enrique Lozano (Viola), Floris Fortin (Cello) und Ala Yakusheuskaya (Cello). In Mendelssohns vierteiligem Werk demonstrierte das Oktett all seine Fertigkeiten. In vereinter Präsenz, mit einem Gleichgewicht an Klangfarben sowie mit Dynamik und großer Kontrolle drückte das Ensemble große Leidenschaft, Kraft und Inspiration aus. Der erste Geiger des Oktetts, Jevgenijs Cepoveckis, brachte den Geist des 16-jährigen Mendelssohn zur Geltung und spielte mit jugendlicher Vitalität, musikalischer Mühelosigkeit und Leichtigkeit.


Kronen Zeitung (August 2018)

Wortlos singende Verwandlung

Das Oberton String Octet ist nicht nur klangtechnisch berauschend, sondern zeigt auch ein sicheres Händchen bei der Programmgestaltung. Im Schloss St. Georgen an der Stiefing ging man mit Schubert-Liedern, Piazzola-Tangos und einem Werk Respighis dem Volksmusik-Thema des Kammermusikfestivals nach.

Das Verhätnis von Volksmusik und Klassik ist eine Geschichte der tausend Metamorphosen. Es hat also seine Richtigkeit, wenn die technisch brillanten jungen Musiker des Oberton String Octet zu eben diesem Thema ein fast schon überbuntes Programm vorlegen, an dessen Rändern mit Ottorino Respighis Doppelquartett und einigen berühmten Piazzola-Tangos fein-süffige Klangexzesse stehen.

Die sind so etwas wie das Markenzeichen des Ensembles: Kaum jemand packt Resphigis Stück, in das der Komponist ungarische Melodien verwob, in so kompromisslos schwärmerischen Vibrato-Taumel. Dem Streicherglanz alter Schule setzt man im Mittelteil Innovatives entgegen: In selbst arrangierten Bearbeitungen bekannter Schubert-Lieder zeigt das Ensemble Sensibilität für die innere Vielstimmigkeit der Werke, etwa im „Erlkönig“, wo verschiedene Stimmlagen des Originals als wortlose Sprechrollen auf die Solisten aufgeteilt werden. Das „Ständchen“ aus dem „Schwanengesang“ hingegen beginnt als harmlose Pizzicato-Serenade, wandelt sich aber ins Tragische, als düstere Doppelgänger das Liedthema zu verfolgen beginnen.


Kleine Zeitung (Mai 2018)

Zu acht mit Elan

Das Oberton String Octet: keine erstarrte Routine.

 Die Musiker des 2015 gegründeten Oberton String Octet lernten einander an der Kunstuniversität Graz kennen und eroberten zu Recht und mit Stolz einen Platz im Kammermusikzyklus des Musikvereins. Zwei Sätze von Schostakowitsch eröffneten den Abend: Das Präludium noch relativ gezähmt, während das Scherzo schon in den verschiedensten Farben schillerte – grotesk, empfindsam, wild, erheiternd.

Das Streichoktett in C-Dur von Joachim Raff strotzte schon im ersten Satz vor geballter Energie, das Allegro molto folgte sanft galoppierend. Das Andante moderato erklang als liebliches Intermezzo, das behutsam über die insgesamt 32 Saiten floss.

Die Führung zwischen den Musikern war ausgeglichen, Yevgeny Chepovetsky hat seine Position an der ersten Geige mit Bescheidenheit inne. Im Oktett des rumänischen Komponisten George Enescu waren die Übergänge der Sätze fein gestaltet, das Flautando-Spiel wirkte in Summe aber übertrieben. Als Zugaben wurden schließlich zwei Klassiker ausgepackt: Puccinis „Nessun Dorma“ und Piazzollas „Adiós Nonino“.


Kronen Zeitung (Mai 2018)

Überschäumender Genuss

Es gibt nur wenige berühmte Komponisten, die Werke für Streichoktett-Besetzung geschrieben haben. Aus dieser Not machte das Grazer Oberton String Octet bei seiner Premiere im Musikverein eine Tugend und spielte echte Raritäten von Dimitri Schostakowitsch, Joachim Raff und George Enescu.

Es mag wie eine Selbstverständlichkeit klingen, bei diesem Ensemble jedoch ist sie wesentlich: Die Musiker des Oberton String Octet lieben den Klang ihrer Instrumente. Selten hört man Streicher, die die zerfahrenen Klüfte der eröffnenden „Zwei Stücke für Streichoktett“ von Schostakowitsch mit derartig sinnlicher Breite durchpflügen, die dem folgenden Streichoktett des Schweizers Joachim Raff ordentlich Feuer geben, ihm ein würziges Prickeln verleihen, das auch in den langsamen Passagen in Form eines etwas jovial-süßen serenadenhaften Aromas durchzuschmecken ist.

Das ganz auf den Klang ausgelegte, technisch absolute Spiel des Ensembles neigt zwar, wie etwa im weiträumigen Enescu-Oktett, zuweilen dazu, die thematischen Strukturen durch schiere Energie zu überschäumen – dem puren Hörgenuss tut das aber keinen Abbruch.


Glas Slavonije (April 2018)

Das Oktett, welches wie ein Orchester klingt

Der Osječkaglazbena srijeda - OGS (Musikalischer Mittwoch von Osijek) brachte das Oberton String Octet aus Graz in der Kirche von St. Cross in Osijek auf die Bühne. Die Ensemblemitglieder sind: Yevgeny Chepovetsky (1. Violine), Anna van der Merwe (2. Violine), Andrii Uhrak (3. Violine), Alberto Stiffoni (4. Violine), Martyna Faferek (1. Viola), Jorge Enrique Lozano (2. Viola), Floris Fortin (1. Cello) und Ema Grčman (2. Cello). Alle Musiker sind jung uns extrem begabt. Sie kommen aus acht verschiedenen Ländern und sind alle Studenten an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Graz. Chepovetskys Initiative führte 2015 zur Gründung des Oktetts.

Obwohl die Musiker erst seit 2 Jahren zusammen musizieren, wurden ihre Leistungen und Bemühungen durch Konzertveranstalter wie z.B. die OGS bemerkt. Das Ensemble konzertierte bereits in Graz, Sarajevo, Danzig und Osijek und wird zukünftig auch in anderen Ländern wie Lettland oder der Schweiz auftreten.

Das 1. Stück im Programm von Osijek war das Divertimento in E-Dur von Joseph Haydn. Von Beginn weg demonstrierte das Oktett in intellektueller und offener Art musikalisches Verständnis. Das Echo, quasi eine Art Leitmotiv des Stückes, wurde höchst erfolgreich inszeniert. Ein einzigartiges Merkmal des Oktetts ist die Interaktion der Mitglieder zwischen Qualität und Klang. Gleichzeitig ergibt der Witz des Komponisten und die Art der Interpretation beinahe das Gefühl eines vollständigen Orchesters.

Dies war auch in Schostakowitschs 2 Stücken für Streichoktett op. 11 der Fall, welches durch die Interpretation der langen und singenden Phrasen die Zuhörer fesselte.

Als Abschluss stand mit Raffs Streichoktett op. 176 aus dem Jahr 1872 ein Werk aus der kreativsten Epoche der Musikgeschichte auf dem Programm.

Das Konzert bot ein sehr vielfältiges Repertoire mit Werken der Klassik, der Romantik und des 20. Jahrhunderts. Jeder Stil wurde in bestmöglicher Art aufgeführt und zeigte die Anpassungsfähigkeit des Oktetts bei unterschiedlichen Charakteren.

Nach tosendem Applaus gab das Oktett eine Zugabe und spielte Giacomo Puccinis Nessun Dorma. Für ein Ensemble in dieser Qualität wird es zukünftig sicher viele außerordentliche Konzertauftritte geben. Dem Publikum in Osijek wird das Konzert in der Kreuzkirche auf jeden Fall für lange Zeit in Gedächtnis bleiben.


Kultura Yekaterinburg (Juli 2018)

Menschlichkeit durch Musik vermitteln

(Online Version)

Quelle: Kultura Yekaterinburg


Vorarlberger Nachrichten (Dezember 2017)

Den Geigenbogen fast zum Bersten gebracht

BLUDENZ Dass Maria Müller als Initiatorin und Verantwortliche der Reihe „Kultur.Leben“ neben den Konzertsaal- und Bühnenstars, die sie nach Vorarlberg bringt, immer wieder auch neue Begegnungen zwischen Künstlern und Publikum ermöglicht, zeigte sich am Samstagabend in der Remise Bludenz und macht die Veranstaltungen zusätzlich wertvoll. Mit dem erst seit zwei Jahren bestehenden Oberton String Octet gesellte sich ein Ensemble von jungern Musikern, die in Graz zusammenfanden, zu den mittlerweile etablierten „Kultur.Leben“-Künstlern.

Dass das Publikum das Neue eher zögerlich frequentiert, muss man hinnehmen, das Programm des Oberton String Octet mit Werken von Dimitri Schostakowitsch, Andreas Romberg und Joachim Raff erwies sich als dramaturgisch überlegt und ergab mit einer Piazzolla-Bearbeitung als Zugabe einen sozusagen doppelt zu unterstreichenden spannenden Abend. Die Werke des Deutschen Andreas Romberg finden selten Aufnahme in die regionalen Konzertprogramme, obwohl er seit einigen Jahren zu den widerentdeckten Klassikern zählt. Kompositorisch im Kontrast zu Schostakowitsch stehend, erwies sich die Tempobehandlung im gespielten Doppelquartett als hervorragende Einstimmung in die Stücke für Streichoktett des Russen, der den ersten Geiger Yevgeny Chepovetsky zu so viel Temperament anspornte, dass das Pferdehaar am Bogen gleich reihenweise brach.

Das Publikum durfte amüsiert und überzeugt Gleichklang in der Streicherqualität und eine geradezu theatralisch aufgebaute Performance verfolgen, die im mehrsätzigen Werk des Schweizers Joachim Raff einen Höhepunkt fand, der die Vielfalt der Instrumente berücksichtigt. Das ist meisterlich, anregend und bereitet Spaß.